Oft nähern wir uns dem Film mit analytischen Methoden, die für Werke aus Literatur, Bildender Kunst oder dem Theater und für Phänomene der Sprache, Psyche und Gesellschaft erarbeitet wurden. Hermeneutik, Psychoanalyse, Semiotik, Strukturalismus, Kulturwissenschaft, Genreforschung, Soziologie etc. haben der Filmwissenschaft Impulse geliefert und sie mit theoretischen Modellen ausgestattet. Doch schon früh gab es Versuche, den Film auch über das Medium selbst zu erforschen – in der Konzentration auf formale Eigenheiten (etwa im Experimentalfilm des New American Cinema) oder im Bildvergleich (Jean Douchet, Martin Scorsese, Jean-Luc Godard) oder aber am “Schneidetisch als Werkbank der Analyse” (Harun Farocki).
Mit Computer, Internet und Digitalisierung ist eine Vielzahl anderer Möglichkeiten hinzugekommen, deren Potential für die filmwissenschaftliche Forschung noch gar nicht absehbar ist. Es gibt erste Ansätze: Die von Barry Salt entwickelte Analyse von Filmstilen auf der Basis statistischer Erfassungen wird von Yuri Tsivians Internet-Plattform “Cinemetrics” aufgegriffen und mit den Interaktionsmöglichkeiten des Web verknüpft. Das Projekt “Digitaler Formalismus” der Universität Wien sucht nach Werkzeugen zur computergestützten Analyse ästhetischer Filmformen (mit Fokus auf Dsiga Wertow). Aber auch DVD-Editionen mit ihren paratextuellen Erweiterungen um eine Fülle an Quellen und Kommentaren sowie verschiedene themenbezogene Online-Plattformen zur Wissensgenerierung und Materialzentrierung eröffnen völlig neue Dimensionen.
Die Vortragsreihe wurde konzipiert von Oksana Bulgakowa und Roman Mauer (Mitarbeit: Andreas Rauscher).
Dienstag, 8. November: Malte Hagener, Marburg
Die Dinge des Lebens – Das Leben der Dinge. Film(-wissenschaft) im Zeitalter der Netzwerkmedien
Dienstag, 15. November: Natascha Drubek-Meyer, Regensburg
Hyperkino. Filme mit Fußnoten
Dienstag, 22. November: Thomas Meder, Mainz
Der filmvermittelnde Film. „The Seventh Cross“ (mit Vorführung)
Dienstag, 29. November: Andreas Rauscher (Mainz)
Genre-Transgressionen und filmische Selbstreflexion in den Filmen Abel Ferraras
Mittwoch, 30. November: Barbara Flückiger, Harvard / Zürich
Computergestützte Analyse von Filmfarben
Dienstag, 13. Dezember: Ralph Ewerth und Bernd Freisleben, Marburg
Computerunterstützte Film- und Videoanalyse mit Videana
Dienstag, 10. Januar: Marcus Stiglegger, Siegen
Bonus, Extra, Kommentar. Paratexte der DVD-Veröffentlichung. Ein Werkstattbericht
Dienstag, 17. Januar: Vinzenz Hediger, Frankfurt/M.
Filme, die man nicht sieht, wenn man nur einen gesehen hat: Sequenz und Assemblage als Probleme der Filmanalyse
Dienstag, 24. Januar: Thorolf Lipp, Berlin
Multimedia Mind Mapping
Dienstag, 31. Januar: Jason Mittell, Middlebury
Forensic Fandom and Participatory Consumption Technologies
Dienstag, 7. Februar: Adelheid Heftberger, Wien
Digitaler Formalismus
Neue Vortragsreihe:
Film Future / Film Studies



Fr, Okt 14, 2011
Aktuell, Film Future / Film Studies, Vortragsreihen